21.11.2011

Saõ Sebastiaõ-Ihlabela-Porto Novo-Ubatuba

 

Von Saõ Sebastiaõ setzten wir per Fähre hinüber auf die Insel Ihlabela. Das Wetter war schön, wir suchten uns einen Zeltplatz, stellten das Zelt auf und fuhren zu einem Strand. Etwas enttäuscht waren wir schon, denn hier war eigentlich die Rede von super Traumstränden. Also unterwegs haben wir schon wesentlich Schönere gesehen, wo die Strasse auch nicht gerade unmittelbar daneben durchführt. Aber nett war die Insel trotzdem. Kaum lagen wir da, kamen dichte Wolken und etwas Regen. Das darf doch nicht wahr sein! Den zweiten Tag verbrachten wir dann mit Wäsche waschen, Eile mit Weile spielen und dummerweise mit Rum und Cola trinken. Letzteres hat besonders Oli etwas zugesetzt… Jedenfalls trockneten wenigstens unsere Kleider, weil es am zweiten Tag zwar bewölkt war, aber nicht regnete. Das dürfte daran gelegen haben, dass wir nicht am Strand waren und dies auch nicht geplant hatten…

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Von Saõ Sebastiaõ fuhren wir los Richtung Caraguatatuba. Blöderweise dachten wir in Porto Novo wir seien schon in Caraguatatuba und nachdem wir uns in einer sehr lustigen Posada mit Iglus eingenistet hatten merkten wir, dass wir erst in Porto Novo waren. Naja, egal. Wir haben noch genug Zeit bis Rio… Vor der lustigen Posada wurden wir von vielen Menschen umzingelt und dabei mussten wir uns mal wieder ziemlich konzentrieren, um die portugiesischen Fragen zu verstehen. Ein Mann war sehr fasziniert von uns. “WAS…??? Von Costa Rica bis hierher??? Darf ich eure Hände schütteln?” Das war wohl unser grösster Fan, den wir je getroffen haben. Dass wir auch einen kleinen Teil per Bus gemacht haben, interessierte ihn nicht. Er selber sei schon müde, wenn er bis zur Kreuzung zum Supermarkt fahren muss. Das geht uns allerdings manchmal nicht anders, aber das verschwiegen wir natürlich und bezogen unser niedliches Iglu…

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Porto Novo punktete jedenfalls sofort. Die Menschen waren wie immer mega nett, der Strand schön und sauber und Porto Novo hat ein Restaurant, welches uns fast umhaute. Wir bestellten eigentlich nur ein Schnitzel und ein Stück Fleisch mit zwei Eier, da bringt man uns einen grossen Salat, je einen grossen Teller Reis, je eine Tasse Bohnen und dann das bestellte Essen. Alles inklusive und wir hauten mächtig rein!

Abends sah es so aus, wie wenn gerade ein Weltuntergangsgewitter käme, doch kaum sassen wir am nächsten Morgen im Sattel verschwanden die Wolken spurlos. Aha, dann wird es wohl bergig…und so kam es dann auch…! Diesmal aber liessen wir uns vom Wetter nicht veräppeln. Wir nahmen uns das rund 55km entfernte Ubatuba als Etappenziel und kämpften uns bei brütender Hitze Berg um Berg hoch und wieder runter. 10km vor Ubatuba sahen wir einen hübschen Strand und dann machten wir ganz schnell, bevor Brasilien merkte das wir baden möchten…! Wir schnappten uns eine Unterkunft, zogen die Badesachen an und gingen so schnell wie möglich zum Strand und dann endlich: Ab ins kühle und klare Wasser!!!

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Erst hatten wir etwas bedenken, weil die schönen Strände in Costa Rica immer so warmes Wasser hatten und kaum als Abkühlung dienten. Aber hier im Atlantik ist es wunderbar kalt und eine richtige Abkühlung. Auch zu erwähnen ist die Sauberkeit der Strände hier. Wir merkten erst heute, wie wenig bis überhaupt kein Abfall hier an den Stränden rumliegt. Auch an den Stränden vor den Städten! Echt super! Auch da sind wir uns (leider) anderes gewohnt…

Nachdem wir in der Strandbar etwas gegessen haben, änderte sich das Wetter nicht. Die einzigen Wolken weit und breit verdufteten Richtung Süden. Vermutlich bekommen wir es morgen dann dafür doppelt zurück, aber das ist uns egal. Wir genossen den ganzen Nachmittag am Strand und im Meer…

18.11.2011

Bertioga-Juquei-São Sebastião

 

Im Fernsehen erfuhren wir, dass der seit sechs Tagen anhaltende Dauerregen grosse Teile der Stadt São Paulo überschwemmt hat. Die Wettervorhersage sah auch nicht gerade rosig aus. So hielten wir die nächste Etappe etwas kürzer, damit wir danach noch genug Zeit haben, um unsere völlig durchnässte Ausrüstung den Rest vom Tag trocknen zu lassen. Als wir unsere Velos bepackten, schonte es etwas und der Platzregen ging in Nieselregen über. Kaum sassen wir auf den Velos, kam natürlich wieder Platzregen. Unsere Regenjacken konnten diesem Regen nicht standhalten und so suchten wir ein Geschäft mit Regenmäntel, welches wir auch gleich fanden. Voller Freude zogen wir den billigen Mantel über unsere Regenkleider an und kaum sassen wir wieder im Sattel, was passierte? Es hörte natürlich auf zu regnen…!!! Unterwegs schonte es 10 Minuten, dann gab es wieder 10 Minuten Platzregen. Seit Tagen sind wir permanent nass bis auf die Unterwäsche und dank des Dauerregens und der ohnehin hohen Luftfeuchtigkeit trocknen nicht einmal unsere Unterhosen, welche sonst in nur 20 Minuten trocken sind. Aber nützt ja eh nichts, denn bei diesem Regen wird man innert Sekunden wieder nass…

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In Juquei trafen wir dann gegen Mittag ein, suchten uns eine Posada und hingen alle Sachen im Zimmer auf. Kaum waren wir im Zimmer, hörte es auf zu regnen. Ab und zu versuchte sogar etwas Helles (es nennt sich Sonne) durch die Wolken zu kommen, aber leider ohne Erfolg. Wir rechneten am nächsten Morgen erneut mit Regen. Aber es kam ganz anders:

Da wir ja neue Regenmäntel haben hat Brasilien wohl keine Freude mehr am Regen, denn jetzt würde er uns nicht mehr quälen. Zudem steht uns eine der bergigsten Etappe bevor und da würde uns ja der Regen höchstens schön abkühlen. Nein, Brasilien will uns leiden sehen und die Sonne brannte uns fast schon nieder, als wir uns Berg um Berg hoch kämpften. Aber wir freuten uns tierisch, endlich wieder trocken zu sein und zu schwitzen was das Zeug hält. Endlich sehen wir auch die Traumstrände mit weissem Sand und blauem Meer. Wunderschön! Aber der erste grosse Berg hätte echt nicht sein müssen. Da ging es nämlich 5km bergauf. Das wäre alles gar kein Problem, aber der verflixte Berg war so dermassen steil, dass wir kaum noch fahren konnten. Milena schon gar nicht mehr, denn ihr Fahrrad stieg vorne permanent auf. Und 45kg einen solchen Berg hinauf zu stossen bei fast 40° ist schon nicht ganz so angenehm. Es dauerte auch ein Weilchen, bis wir diesen Berg geschafft haben. Aber es geht ja alles…

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Die Berge wurden nicht kleiner, aber wenigstens nicht mehr ganz so steil und man konnte fahren. Den ganzen Tag fuhren wir andauernd an Posadas vorbei, aber als wir so müde waren und gerne eine haben wollten, fanden wir natürlich keine so kämpften wir uns weiter über die Berge. 3 km hinauf, 3km bergab… Vorbei an einem hübschen Wasserfall und vielen netten Stränden.

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Zumindest so lange, bis es “PFFFFT…!” machte. Ha…dieser Platten hat endlich mal wieder Oli erwischt. Als wir am Strassenrand standen und das Loch flickten, schien die Sonne natürlich ganz besonders stark und der Schatten war ganz weit weg. Ein netter Mann hielt an und fragte, ob alles in Ordnung ist und ob wir etwas brauchen. Er fragt dies offenbar immer, wenn er Reiseradler trifft. Das haben wir schon öfters erlebt. Von Einheimischen, sowie auch von anderen Reisenden. Schön, dass es so nette Menschen gibt! Als wir in São Sebastião ankamen, waren wir total k.o. Wie zwei Zombies humpelten wir durch den örtlichen Supermarkt. Milena war sogar so müde, dass sie anstelle einer Packung Chips zwei Äpfel kaufte, weil die Chips erst im vierten Regal standen und sie nicht so weit laufen wollte. Das will schon was heissen…

15.11.2011

Jacupiranga-Itariri-Peruibe-Santos-Bertioga

 

Die letzten 100km auf der Autobahn BR-116 gingen dank Rückenwind schnell vorüber. Hier sind die Autobahnen grundsätzlich für alle da. So trifft man Fussgänger, Pferdekutschen und eben auch Radfahrer auf dem Pannenstreifen. Fussgänger hat es sehr viele sogenannten Landstreicher, welche mit ihrem Hab und Gut, also einem kleinen Rucksack von Ort zu Ort wandern. Vermutlich suchen sie Arbeit in den Grossstädten. Auf dieser Autobahn trifft man sehr viele dieser Menschen, denn sie führt geradewegs in die grösste Stadt Brasiliens, Saõ Paulo. Jedes mal wenn wir wieder eine solche Gruppe überholen grüssen sie freundlich und strecken den Daumen hoch. Dabei ist ihre Leistung zu Fuss hunderte von Kilometern zu gehen wesentlich höher. Als wir von dem netten Truckfahrer mitgenommen wurden, sahen wir am Strassenrand drei Männer mit einem jungen Hund zu Fuss Richtung Saõ Paulo gehen. Am nächsten Morgen, immerhin rund 50km weiter überholten wir sie per Fahrrad. Keine Ahnung ob, wie und wo die Drei übernachtet haben…

Nach den fast acht Wochen ohne Rad konnten wir uns kaum noch halten. Eigentlich wollten wir gar nicht so weit fahren, aber wir kamen so schön voran und nach knapp 130km trafen wir in Itariri ein. Wir hätten durchaus noch die letzten 30km bis nach Peruibe auf uns nehmen können und damit unseren eigenen Rekord (145km) brechen können, hätte es nicht mal wieder das uns mittlerweile so vertraute “PFFFFFFT…” gemacht! Milena durfte endlich mal wieder fluchen und sie liess wirklich alles raus…

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Nach der Abzweigung waren wir froh, endlich von der Autobahn zu kommen und nur 100m weiter wollten wir sie wieder zurück haben. Die Autos rasen hier nämlich noch viel schlimmer als auf der Autobahn und dank fehlendem Seitenstreifen wurden wir mächtig abgedrängt. Wir versuchten sogar das hupen eines Lastwagens zu ignorieren, denn irgendwie sehen wir nicht ein weshalb wir verduften sollen wenn er ja ausweichen könnte. Natürlich raste er ungebremst weiter und wir konnten in letzter Sekunde noch in die Wiese flüchten. Aus gesundheitlichen Gründen werden wir das aber bestimmt nie wieder tun! Die Brasilianer sind bis jetzt die verrücktesten Autofahrer, mit ausgeschaltetem Hirn rasen sie wie möchte-gern Ayerton Sennas!

Sofern sie aber nicht gerade im Auto oder LKW sitzen, sind die Menschen hier wirklich sehr nett und lebensfreudig. Wir fühlen uns wie nach Kolumbien zurückversetzt. Auch sie lassen ihren Gefühlen freien Lauf.  Ob am Strand oder im Supermarkt, es wird gejohlt und gefeiert. Das gilt vor allem, wenn sie uns sehen. Hupend und schreiend flitzen sie an uns vorbei, bremsen uns auf dem Pannenstreifen aus für ein gemeinsames Foto oder halten gar mit dem Auto neben uns…auf der Autobahn versteht sich…! Wir fühlen uns sehr willkommen und da die Brasilianer selbst offenbar einen grossen Freiheitsdrang haben, zeigt man uns auch grossen Respekt vor dem was wir tun.

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Brasilien ist auch das erste Land, dass alle Klischees erfüllt. Knackige Frauenpo’s und Männer mit Waschbrettbauch und Surfbrett unter dem Arm trifft man am Strand. Kokosnüsse, Bananen und andere exotischen Früchte bekommt man am Strassenrand und dann die Traumstrände. Einzig die Sonne fehlt, stattdessen regnet es fast ununterbrochen. Das mag wohl daran liegen, dass Milena’s Schutzblech beim letzten Bustransport kaputt ging und sie jetzt keines mehr hat. So wie wenn wir etwas zu Essen suchen und nichts finden, wir aber keinen Hunger haben ein Restaurant am anderen finden. Oder wenn wir eine Apotheke suchen wir ganz bestimmt zwei Stunden suchen müssen obwohl wir im Ort vorher hunderte von Apotheken sahen. Am schlimmsten ist die Sachen mit den Regenkleidern. Zieht man sie nicht an, dann regnet es in Strömen. Zieht man sie an, dann hört er auf und es wird warm. Was wir uns hier ständig aus und ab ziehen… Dieses Spielchen treibt brasiliens Wetter mit uns übrigens seit vier Tagen…

In Itariri übernachteten wir, schliefen etwas aus und fuhren weiter nach Peruibe. Kurz vor Peruibe bekamen wir wieder einen wunderbar breiten Seitenstreifen und wir konnten die Fahrt durch die unendlich weiten und schön grünen Bananenplantagen geniessen. Zumindest bis es wieder regnete…

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Eigentlich hatten wir unsere Ankunft am Atlantik folgendermassen vorgestellt: Wir kommen an, lehnen unsere Fahrräder an eine Palme und rennen dann a là Baywatch in das türkisblaue Meer. Danach schlürfen wir Kokosnussmilch und wälzen uns in der Sonne. Und so kam es: In strömendem Regen (er wurde natürlich stärker, weil wir unsere Regenklamotten aus Trotz nicht angezogen hatten) kamen wir am Atlantik an, stellten unsere Räder einigermassen trocken unter, kauften uns einen heissen Maiskolben und beobachteten die harten Brasilianer, welche in der übel aussehenden braunen Brühe tatsächlich badeten. Naja, eine Reise wird erst spannend, wenn es eben nicht so läuft wie man es sich vorgestellt hat. Bei Platzregen suchten wir uns eine Unterkunft, welche bezahlbar und vor allem dank der Feiertage hier nicht ausgebucht ist und dann schliefen wir den ganzen Nachmittag. Der Regen hörte nicht mehr auf und zwar bis zum nächsten Tag. Ach so, darum ist es hier so schön grün…

Nachdem wir unsere Regenklamotten angezogen hatten, schonte es zum ersten Mal. Ha, dann nichts wie los! Zum Glück bekamen wir wieder eine Autobahn mit breitem Seitenstreifen. Das sollte aber nur noch bis Santos so sein. Danach müsste es anscheinend ruhiger werden, weil wir da zur Küstenstrasse abbiegen und die geht kurvenreich und steigungsstark (beides mögen Truckfahrer überhaupt nicht) Richtung Rio de Janeiro. Die Trucks gehen da also weiter über die Autobahn und wir sind sie hoffentlich los. Nicht dass ihr denkt wir spinnen hier auf den Autobahnen herum zu kurven. Wir sind unterwegs zu einem der schönsten Flecken Brasiliens, der Costa Verde (grüne Küste).

Nach gut 100km trafen wir in Santos und brachen einen ganz anderen Rekord, nämlich den der Unterkunft-Suche. Satte zweieinhalb Stunden fuhren wir umher und dabei fanden wir nur zwei Hotels mit abartig hohen Preisen. Ehrlich gesagt waren wir mit Santos etwas überfordert, denn mit einer Grossstadt wie Panama-City hatten wir eigentlich nicht gerechnet. Aber die Grossstadt mit sauberem, weissem Sandstrand und Wolkenkratzern im Hintergrund hat schon etwas sehr schönes an sich.

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So fuhren wir etwas wahllos zwischen den Wolkenkratzern umher. Plötzlich hielt ein Auto neben uns und eine Frau rief: “Woher kommt ihr?” “Aus der Schweiz.” Daraufhin lachte sie und meinte: “Mein Nachname ist Schweizer!” Frau Schweizer konnte Portugiesisch und Englisch und sie brachte uns zu Hotel Nummer drei. Das wäre super (und sogar bezahlbar) gewesen, doch natürlich ausgebucht. So suchten wir weiter, im Regen natürlich. Dann fanden wir eine Touristeninformation und die sehr nette Dame gab uns eine zweiseitige Liste mit einigermassen günstigen Posadas (Unterkünfte bei Privatfamilien). Und siehe da, plötzlich hatten wir an einer Strasse satte fünf Posadas auf einmal. Da konnten wir sogar noch heikel tun und auswählen. Nun sind wir bei einer sehr netten Dame, die sogar noch Milena’s Taschen reinigte. Ja, das blöde Schutzblech…

Um nach Bertioga zu gelangen, mussten wir zweimal mit einer kostenlosen Fähre übersetzen. Dazwischen ging es leicht hügelig durch schönen Urwald. Der regen, welcher uns nun seit fünf Tagen begleitet erreichte seinen Höhepunkt. Es regnet in strömen und zwar ohne auch nur eine Sekunde zu unterbrechen. Unsere Regenkleider, sowie Milena’s Gore-Tex (!) Schuhe hielten dem Regen nicht mehr stand und wir wurden bis auf die Unterwäsche durchnässt. So machte das Radeln wenig Spass und wir suchten immer einen Grund irgendwo unter zu kommen. Hier ein Sandwich, da einen Kaffee. Wir lernten dann zwei nette Männer kennen und wenn sie ganz langsam und deutlich sprechen verstehen wir sogar mittlerweile etwas Portugiesisch. Sie meinten, es regnet noch die ganze Woche so durch. Wenn das aber so ist, dann gibt es garantiert Überschwemmungen. Irgendwie ist es für uns etwas deprimierend, denn die Traumstrände mit den Palmen und dem kitschig grünen, undurchdringlichen Dschungel scheinen im Regen nur wenig attraktiv. Wäre es wenigstens warm, dann könnten wir in den Badehosen radeln, aber es ist auch noch ziemlich kalt hier. Wir hoffen schwer, dass wir noch wenigstens einen sonnigen Tag erwischen werden.

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11.11.2011

Foz do Iguassu-Jacupiranga

 

Wir verbrachten den Tag mit Florian und Simon aus Frankreich, die ebenfalls per Fahrrad unterwegs sind. Sie machen eine “Weltreise”; eigentlich fahren sie nach Peru und dann nach Neuseeland. Natürlich konnten sie weder Spanisch noch Englisch, aber unser Französisch lässt ja auch etwas zu wünschen übrig. Auch auf dem Campingplatz war ein anderer Franzose mit seinem als Wohnmobil umfunktionierten Pick-Up, mit dem er seit 14 Jahren (!) in der Welt herum reist. Für ihn ist das Reisen sein Leben und sein Toyota ist seine Frau. “Die plappert nichts, sie macht nur am Morgen jeweils brummmmm…”, so seine sehr bemerkenswerte Äusserung zum Thema Frauen. Dabei schweifte sein Blick natürlich zu Milena… Der lustige Mann war sehr überrascht, dass wir zusammen ein Jahr lang per Fahrrad herum reisen können, ohne uns denn Kopf einzuschlagen. Naja, zugegeben kam es schon ein paar mal zu Differenzen, aber es wäre ja komisch wenn nicht…

Am Abend um 21.30 fuhr unser Bus los. Die grosse Überraschung war, dass wir dieses mal keinen Cent für die Fahrräder bezahlen mussten. Das erlebten wir nur einmal in Kolumbien und jetzt zum zweiten Mal in Brasilien. Eigentlich währe das schon gerechtfertigt, denn es ist ja Sperrgut, aber die von der Busgesellschaft wollten kein Geld. Super Sache!

Nach zwei Stunden Fahrt passierten wir einen Militärkontrollposten und unser Handgepäck wurde durchsucht. Freundlicherweise wurden mal nicht wir verdächtigt, sondern vier andere junge Männer aus dem Bus. Diese mussten aussteigen und sie wurden durchsucht. Der letzte kam laut lachend wieder in den Bus, stand vor uns hin, erzählte uns eine offenbar sehr lustige Geschichte auf Portugiesisch und rieb sich dabei mit dem Zeigefinger auf dem Arm herum. Wir verstanden kein Wort, mussten aber dennoch lachen weil er sich kaum noch halten konnte. Dann rief unser Buschauffeur: “Die zwei Radfahrer! Sofort aussteigen!” Ohoh… Was war jetzt los! Draussen fanden wir vier Militärs versammelt um Milenas rote Packtasche, worin sie die Küchenausrüstung transportiert. In der Hand hielten sie zwei PET-Fläschchen von Fanta und Mineralwasser, gefüllt mit sehr verdächtigem weissem Pulver! “Was ist das?” “Salz!” “Und das?” “Zucker”. Erst dann wagte der Beamte eine Kostprobe und daraufhin mussten auch wir laut lachen. Sie haben unser Salz einfach in der Hand verrieben und das fühlte sich offenbar sehr verdächtig an. Danach wussten wir, was uns der Mann im Bus erzählte… Jedenfalls war die Idee mit den Flaschen war wohl doch nicht so eine Gute…

Morgens um sechs kamen wir in Curitiba an. Zum guten Glück war das endlich unsere letzte Busfahrt! Die 1,6 Mio. Einwohner Stadt ist (leider) ein Ausnahmefall. Die “Stadt der Ökologen und Zukunftsdenker” bekam 1997 von der UNO den 1. Preis für Stadt- und Lebensqualität. Die Stadt machte auf uns einen sehr ruhigen und angenehmen Eindruck. Das Klima auf den 900müM war sehr angenehm und der Verkehr schön ordentlich geregelt. Wir glauben gerne, dass die Lebensqualität hier sehr gut ist. Es sei denn, man stolpert über die uneben angelegten Kopfsteinpflaster und bricht sich was. Aber immerhin sind keine 3m tiefen Löcher mehr auf dem Gehsteig wie in Ecuador und Peru…

In Curitiba hatten wir einiges zu erledigen. Karte von Brasilien, Reiseführer von Brasilien und Karte von Rio de Janeiro standen auf unserer Einkaufsliste. Das fanden wir alles in Einem. In dem “Guia Quatro Rodas Brasil” (einem Telefonbuchartigen Wälzer) findet man so ziemlich alles. Zeltplätze, Hotels und vor allem genaue Strassenkarten und Stadtpläne. Dieser Klassiker kostet verhältnismässig sehr wenig und wird jedes Jahr neu heraus gebracht, natürlich auf Portugiesisch. Geschrieben ist diese Sprache sehr ähnlich wie Spanisch, nur wenn jemand mit uns redet verstehen wir wegen der Aussprache praktisch nichts. Lesen können wir aber durchaus auf Portugiesisch. Zudem wollten wir noch ein Wörterbuch auf Portugiesisch, damit wir das Nötigste lernen können. Das fanden wir auch, allerdings für Brasilianer, die Deutsch lernen möchten. So steht leider nur die sehr amüsante Aussprache von Deutsch drin. Aber das reicht schon. Wir versuchten unsere Spanischkenntnisse etwas abzuändern in der Hoffnung, die Leute verstehen uns dann besser. So ersetzten wir beispielsweise die Endung o einfach auf ao und reden etwas mit sch und oao… nützt leider nichts, sie schauen und höchstens komisch an und fragen ob wir Argentinier sind…

Am Morgen des 11.11.11 regnete es, als wir uns endlich wieder auf unsere Räder schwangen. Die fast acht Wochen Abstinenz spürten wir kaum. Wir waren so froh dass wir wieder radeln können und flogen schon fast über die Hügel. Diese wurden dann aber bald zu kleinen Bergen und dank der Regenklamotten kamen wir kräftig ins Schwitzen. Wir fuhren los auf der BR-116 in Richtung Saõ Paulo. Das ist eine Autobahn und wenn wir Glück hatten, verlief diese nur zweispurig. Dann hat es nämlich einen Pannenstreifen und der gehört ganz alleine uns. Leider wird die Strasse aber des Öfteren dreispurig und die Trucks donnern dann unmittelbar neben uns vorbei. Es ist eine Autobahn wie bei uns in der Schweiz oder besser als Vergleich ist eine im Tempo unlimitierte, deutsche Autobahn. An die Geschwindigkeitsbegrenzung hält sich nämlich niemand. Trotz allem kein Problem, denn die Trucks wechseln immer die Fahrbahn wenn sie uns sehen. Schlimm an der Strecke ist nur, dass sie Curitiba mit Saõ Paulo, mit 16 Mio. (!) Einwohnern die grösste Stadt Brasiliens verbindet und die Truckfahrer hier völlig übermüdet zum “Endspurt” anlegen. So beobachteten wir einige sehr gefährliche Manöver und ein Mann in einem PKW verfiel offenbar dem Sekundenschlaf und um ein Haar knallte es. Nach 80 geradelten Kilometern durch teilweise dichten Dschungel und ständig mit dem nächsten Truckfahrer im Nacken konnten wir es kaum geniessen. Zudem wurde es völlig neblig und wir wurden vom Regen regelrecht aufgeweicht. Da kam uns einer der Langstreckenfahrer gerade recht. Er hupte und hielt bei der nächsten Raststätte an. Er hatte erbarmen und wollte uns in die nächste Stadt mitnehmen. So kamen wir urplötzlich ins 100km entfernte Jacupiranga. Er hätte uns auch weiter mitgenommen, aber wir wollen jetzt wirklich noch drei Wochen lang radeln. Nun zweigt nämlich bald eine ruhige, paradiesische, heisse und (Berichten zufolge) brutal bergige Seitenstrasse zur Atlantikküste ab.

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IMG_6146  Schwarzfahrer…

In Jacupiranga fanden wir dann ein günstiges Hotel nähe der Strasse. Somit bekamen wir am 11.11.11 Zimmer Nummer 11…

08.11.2011

Puerto Iguazu (Argentinien)-Wasserfälle-Foz do Iguassu (Brasilien)

 

Am nächsten Tag standen wir trotz Müdigkeit und geschwollenem Fuss (Milena mal wieder) nach der so langen Busfahrt sehr früh auf und stiegen in den ersten Bus zu den Iguazu-Wasserfällen auf der argentinischen Seite. Es gibt im Park zwei, bzw. drei Wege. Einer führt oberhalb, der andere unterhalb der Wasserfälle hindurch. Dabei kommt man den einen Wasserfällen ziemlich nahe und wird unglaublich nass dabei. Die riesigen Wasserfälle stürzen hier zwischen 50 und 72m in die Tiefe, wobei zu Spitzenzeiten (also jetzt) bis zu 7000 Kubikmeter Wasser pro Minute fliessen. Ein unglaubliches Schauspiel, wovon man nie genug bekommt. Ein relativ neuer Weg führt erst mit dem Zug weiter und dann über einen langen Steg zur “Cargante del Diabolo” (Teufelsrachen). Der Name passt, denn von allen Seiten stürzen riesige Wasserfälle in eine einzige Schlucht hinab, welche man wegen des Sprühnebels fast nie zu Gesicht bekommt. Unglaublich schön was die Natur hier geschaffen hat. Ein echtes Paradies.

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Leider droht dieses Naturwunder von uns Touristen kaputt gemacht zu werden. Nicht wegen dem Niedertrampeln (es sind prima Stege angebracht), sondern wegen der Touristen, welchen der Anblick der Wasserfälle an Land noch nicht genügt. Die Parkwächter raten dringend ab von Flügen per Helikopter! In diesem Park kommen unter anderem 45% aller vorkommenden Vogelarten Argentiniens, sowie rund 300 verschiedene Arten Schmetterlingen vor, welche sich allerdings wegen der Vibrationen der Hubschrauber, welche ihre Bruten zerstören nicht mehr richtig fortpflanzen können. Also an alle, die irgendwann einmal in eines der beliebtesten Touristenziele Südamerikas reisen: Lasst die Finger von den Flügen!!!

Am nächsten Morgen bepackten wir unsere Fahrräder und fuhren los in Richtung Grenze. Das heisst, wir fuhren gut 8km in die falsche Richtung… Die Argentinier (und vor allem die Chilenen) haben nämlich die sehr doofe Eigenschaft, dass sie die Grenzen zum Nachbarland (offenbar aus Eifersuchtsgründen) nicht ausschildern. So erfuhren wir von einem sehr netten Militärmann, dass wir nun die ganzen 8 hügeligen Kilometer wieder zurück dürfen und beim Kreisel bergauf fahren müssen. Eigentlich wäre die Grenze zu Brasilien lediglich 1km von dem Ort entfernt gewesen, wo wir frühstückten. Brasilien ist ein so riesiges Land und wir suchten und suchten… Jedenfalls ging die Zollabfertigung rekordverdächtig schnell und toppte sogar unseren Grenzübertritt von Ecuador nach Peru (nur 10 Minuten). Bei der Brücke war auch ausnahmsweise ganz genau eingezeichnet, was Argentinien und was Brasilien gehört. Ein paar Fotos mit dem Vorderrad in Brasilien und dem Hinterrad in Argentinien mussten da schon sein…

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Nach mehrmaligem hin und her (Argentinien-Brasilien-Argentinien-Brasilien…) konnten wir uns dann endgültig von Argentinien verabschieden. Dazu müssen wir noch sagen, dass Argentinien uns ganz bestimmt nicht das letzte Mal gesehen hat. Ein abwechslungsreicheres Land gibt es wohl kaum noch und wir sind wirklich mehr als nur begeistert!

Aber natürlich freuen wir uns nun auf das völlig andere Brasilien. Allerdings haben wir hier ein grosses Problem und das ist Portugiesisch! Wir dachten wirklich, dass es sehr ähnlich ist wie Spanisch, aber wir verstehen echt kein Wort! Milena dachte erst, die Zöllnerin sei Österreicherin mit komischem Dialekt. Nun müssen wir aber schnell hinter die Bücher…

Auf dem Weg zwischen Foz do Iguassu und dem Nationalpark fanden wir einen hübschen Zeltplatz mit Swimmingpool! Der wurde natürlich als erstes gecheckt… Am nächsten Tag fuhren wir noch zu den Wasserfällen auf der brasilianischen Seite. Entgegen den Behauptungen vieler Argentinier war die brasilianische Seite nicht weniger spektakulär! Von hier aus hat man ein traumhaftes Postkartenpanorama:

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